Druckluftkosten senken: Wie Unternehmen mit einem ganzheitlichen Ansatz ihre Energieeffizienz massiv steigern
Druckluft zählt zu den teuersten Energieträgern in der Industrie – und gleichzeitig zu den am häufigsten unterschätzten. Gerade weil Druckluft in nahezu jedem produzierenden Unternehmen eingesetzt wird, schlummern hier enorme Einsparpotenziale. Viele Verantwortliche wissen zwar, dass Druckluft viel Energie kostet, doch oft bleibt unklar, wo genau die Verluste entstehen und wie sich Druckluftkosten nachhaltig senken lassen.
In diesem Beitrag erfährst du, warum Druckluftsysteme so hohe Kosten verursachen, welche typischen Schwachstellen fast jedes Unternehmen betreffen und wie ein strukturiertes Druckluft Audit nach DIN EN ISO 11011 hilft, bis zu 30 % Energie einzusparen.
Dieser Artikel basiert auf dem Fachgespräch zwischen Energieexperte Martin Haagen und Marina Griesinger, technische Vertriebsleiterin bei Mader.

Warum Druckluft ein Energiefresser ist
Druckluft zählt laut verschiedenen Branchenanalysen zu den größten Energieverbrauchern in der Industrie. Die Umwandlung von elektrischer Energie in Druckluft ist naturbedingt ineffizient – nur ein kleiner Teil wird tatsächlich als nutzbare Druckluft wirksam.
Gleichzeitig ist Druckluft ein Querschnittsmedium: Sie wird in unterschiedlichen Abteilungen benötigt, aber selten ganzheitlich betrachtet. Das führt dazu, dass Optimierungspotenziale oft liegen bleiben.

Die drei zentralen Bereiche eines Druckluftsystems
Ein effizientes Druckluftsystem muss immer als Gesamtsystem gesehen werden. Marina Griesinger unterscheidet drei relevante Bereiche:
1. Drucklufterzeugung
2. Druckluftverteilung
3. Druckluftanwendung
Und in jedem dieser Bereiche lassen sich Druckluftkosten spürbar reduzieren.

1. Drucklufterzeugung: Abwärme richtig nutzen
Kompressoren erzeugen nicht nur Druckluft – sie produzieren vor allem Wärme. Bis zu 90 % der eingesetzten Energie werden als Abwärme freigesetzt. Diese Energie ist bares Geld wert.
Typische Möglichkeiten zur Abwärmenutzung:
-Hallenheizung: Nutzung der warmen Zuluft direkt im Gebäude.
-Wärmetauscher: Einspeisung in Heizungs- oder Brauchwassersysteme.
-Prozesswärme: Nutzung der Wärme in anderen Produktionsprozessen.
Für viele Unternehmen ist das das größte Einsparpotenzial im Druckluftbereich – oft mit extrem kurzer Amortisationszeit.

2. Druckluft-Leckagen: 20–30 % Einsparung möglich
Leckagen zählen zu den häufigsten und zugleich teuersten Problemen in Druckluftsystemen. In älteren Systemen verliert man oft bis zu ein Drittel der erzeugten Druckluft, ohne es zu bemerken.
Warum Leckagen so teuer sind:
-Sie verursachen permanenten Druckluftverlust.
-Sie erhöhen den notwendigen Erzeugungsdruck.
-Der Kompressor läuft häufiger und länger.
Ein strukturiertes Leckagemanagement umfasst:
-Identifikation aller Undichtigkeiten
-Bewertung nach Größe und Einsparpotenzial
-sofortiges Einplanen der passenden Ersatzteile
Gerade weil Leckagen schnell zu beheben sind, zählen sie zu den attraktivsten Sofortmaßnahmen.

3. Druckluftverteilung: Gewachsene Netze als schleichende Kostenfalle
In vielen Betrieben wachsen Rohrleitungsnetze über Jahrzehnte mit. Das führt zu:
-unterschiedlichen Rohrdurchmessern
-Engstellen und Querschnittsverengungen
-langen Leitungswegen
-Druckverlusten durch falsche Materialkombinationen
Jede Engstelle führt dazu, dass weniger Druckluft ankommt – und dass der Kompressor mehr Leistung erbringen muss.
Eine optimierte Druckluftverteilung sorgt für:
-konstante Druckverhältnisse
-niedrigere Systemdrücke
-reduzierte Kompressorzyklen
-langfristig geringere Energiekosten

4. Druckluftaufbereitung: Filter prüfen, unnötige Komponenten entfernen
Filter sind wichtig – aber nur, wenn sie wirklich benötigt werden. Häufig finden sich in Unternehmen:
-zugesetzte Filter (höherer Druckverlust)
-veraltete oder doppelte Filterstufen
-Filter, die gar keiner Maschine mehr zugeordnet sind
Schon der Austausch oder Ausbau einzelner Filter kann messbare Energieeinsparungen bringen.

Warum die richtige Druckeinstellung so viel Geld spart
Ein oft unterschätzter Hebel ist der Systemdruck.
Jedes zusätzliche bar Druck erhöht den Energieverbrauch um 5–7 %.
Viele Maschinen benötigen jedoch gar nicht den hohen Sicherheitsdruck, mit dem Unternehmen standardmäßig arbeiten. Voraussetzung hierfür ist ein dichtes und gut ausgelegtes Netz.

Das Druckluft Audit nach DIN EN ISO 11011: Die Basis für echte Optimierung
Statt einzelne Maßnahmen im Blindflug anzugehen, empfiehlt sich ein ganzheitliches Druckluft Audit. Es liefert präzise Messdaten über:
-Stromaufnahme der Kompressoren
-Volumenströme an verschiedenen Netzpunkten
-Drücke und Drucktaupunkte
-tatsächliche Verbrauchsspitzen
-Druckluftqualität
Aus den Daten entsteht ein detaillierter Maßnahmenkatalog inklusive Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Typische Ergebnisse eines Audits:
-Potenzialübersicht nach Prioritäten
-konkrete Handlungsempfehlungen (Erzeugung, Verteilung, Anwendung)
-Vergleich verschiedener Kompressor-Fabrikate
-Möglichkeit zur Einbindung in ISO 50001
Die Kosten beginnen bei etwa 5.000 €, abhängig von Netzgröße und Messaufwand.

BAFA-Förderung für Druckluft: Eine wichtige Chance
Viele Unternehmen wissen nicht, dass Druckluftmaßnahmen förderfähig sind. Dazu zählen:
-effiziente Kompressoren
-Maßnahmen im Rahmen eines förderfähigen Systemumbaus
-Audits, wenn sie mit der Umsetzung kombiniert werden
Wer ohnehin Investitionen plant, sollte unbedingt prüfen, welche BAFA-Förderprogramme infrage kommen.

Warum Unternehmen Druckluftoptimierung oft hinauszögern
Obwohl die Einsparpotenziale riesig sind, wird das Thema häufig nicht priorisiert. Gründe:
-Druckluft ist nur eine Querschnittstechnologie
-Verantwortlichkeiten liegen oft bei verschiedenen Abteilungen
-Audits erzeugen erst Kosten, bevor Einsparungen sichtbar werden
-Akute Produktionsprobleme überlagern langfristige Optimierungen
Doch genau hier liegen enorme Chancen für Unternehmen, die energieeffizienter werden wollen.

Fazit: Druckluftoptimierung ist ein strategischer Wettbewerbsvorteil
Druckluft optimieren bedeutet:
-Energiekosten senken
-CO₂ Emissionen reduzieren
-Systemstabilität erhöhen
-Produktionssicherheit verbessern
-Fördermittel nutzen
Unternehmen, die ihre Druckluft ernst nehmen, sparen nicht nur bares Geld, sondern schaffen die Basis für langfristige Energieeffizienz. Die wichtigste Botschaft von Marina Griesinger lautet deshalb:
„Keine Angst vor Druckluft – es gibt immer Potenziale, die man heben kann.“


