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Industriestrompreis 2026: Neue Förderung für energieintensive Unternehmen

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Martin Haagen

Geschäftsführer eeaser GmbH

Veröffentlicht am:

February 25, 2026

Regulatorik

Industriestrompreis 2026: Neue Förderung für energieintensive Unternehmen

Die stark gestiegenen Energiekosten der vergangenen Jahre stellen viele Industrieunternehmen in Deutschland vor enorme Herausforderungen. Besonders energieintensive Betriebe kämpfen mit international kaum noch wettbewerbsfähigen Strompreisen. Der Industriestandort Deutschland steht damit – stärker denn je – unter Druck. Um diese Entwicklung abzufedern und die Wettbewerbsposition der Industrie zu sichern, plant die Bundesregierung die Einführung eines neuartigen Fördermechanismus: den Industriestrompreis. Dieser soll zum 01. Januar 2026 in Kraft treten – rückwirkend –, steht aber aktuell noch unter dem Vorbehalt der endgültigen politischen Beschlussfassung und der EUbeihilferechtlichen Prüfung.  

Im Folgenden erklären wir, was hinter dem Konzept steckt, wer davon profitieren kann und welche Verpflichtungen Unternehmen im Gegenzug erfüllen müssen.

Warum ein Industriestrompreis notwendig wurde

Die deutsche Industrie ist besonders stark vom Strompreis abhängig. Viele Branchen – darunter Chemie, Metall, Papier und weitere sogenannte „energieintensive Sektoren“ – benötigen große Strommengen für Produktionsprozesse. Im internationalen Vergleich liegen deutsche Stromkosten jedoch weit über denen vieler Wettbewerber.

Hohe Energiepreise haben in den letzten Jahren bereits zu Produktionsverlagerungen, Abwanderungstendenzen und sinkenden Investitionen industrieller Großunternehmen geführt. Der Industriestrompreis soll genau hier gegensteuern: durch planbare Stromkosten und mehr Investitionssicherheit, insbesondere in Zeiten energiepolitischer Umbrüche. Das Gesamtpaket muss jedoch mit EUBeihilferegeln vereinbar sein, weshalb das Fördermodell in das „Clean Industrial Deal State Aid Framework“ der EU eingebettet wird.  

Welche Unternehmen Anspruch haben sollen

Die Förderung richtet sich ausdrücklich nicht an alle Industrieunternehmen. Stattdessen ist eine klare Fokussierung auf besonders stromintensive Betriebe vorgesehen. Anspruchsberechtigt sind Unternehmen, die auf der sogenannten KUEBLLListe der EU von 2022 stehen. Diese Liste führt Sektoren auf, die nachweislich stark im internationalen Wettbewerb stehen und einen hohen Energieverbrauch haben.

Die Abwicklung der Förderung soll über das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) erfolgen. Unternehmen müssen daher rechtzeitig entsprechende Anträge stellen und ihre Berechtigungen sowie Verbräuche detailliert nachweisen.  

So funktioniert der Industriestrompreis: Der Preisdeckel für Strom

Der Kern des Modells ist einfach:
Ein Teil des vom Unternehmen beschafften Stroms wird auf einen Preis von 50 €/MWh gedeckelt. Dieser reduzierte Tarif gilt jedoch nur für einen definierten Prozentsatz des Verbrauchs und ausschließlich unter bestimmten Voraussetzungen.

Im Ergebnis sollen die Gesamtkosten für Strom spürbar sinken. Für energieintensive Produktionsbetriebe können so erhebliche finanzielle Entlastungen entstehen. Laut den Unterlagen kann die Maßnahme „eine erhebliche Reduktion der Stromkosten verursachen“ – ein wichtiger Hebel, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.  

Allerdings gilt:
Es gibt keine Doppelanrechnung. Das bedeutet, dass Unternehmen nicht gleichzeitig mehrere staatliche Entlastungsmechanismen für dieselben Strommengen geltend machen dürfen.

Welche Gegenleistungen Unternehmen erbringen müssen

Der Industriestrompreis wird nicht bedingungslos gewährt. Unternehmen müssen im Gegenzug Investitionen tätigen, die zur Energiewende und einer langfristigen Transformation der Industrie beitragen. Zusätzlich müssen Unternehmen dokumentieren, dass die Investitionen tatsächlich im Zusammenhang mit der Förderung stehen.

Mögliche verpflichtende Gegenleistungen sind u. a.:

1. Ausbau erneuerbarer Energien oder Energiespeicher

Unternehmen sollen durch eigene Photovoltaik, Windkraft- oder Speichersysteme die Energiewende aktiv unterstützen.

2. Investitionen in Netzinfrastruktur

Wer eigene Energieanlagen betreibt, muss auch die technische Infrastruktur modernisieren, um Lastspitzen besser zu steuern.

3. Maßnahmen zur Steigerung der Lastflexibilität

Darunter fallen z. B. energieeffiziente Produktionsplanungen, die Strombedarf in Zeiten niedriger Netzauslastung verlagern.

4. Abschluss langfristiger PowerPurchaseAgreements (PPAs)

PPAs ermöglichen es Unternehmen, Strom direkt von Erzeugern zu beziehen – oft aus erneuerbaren Energien.

5. Energieeffizienzmaßnahmen im Strombereich

Effizienzsteigerungen – etwa durch moderne Motoren, Antriebe oder Prozessoptimierungen – bleiben ein wichtiger Bestandteil der Förderung.

6. Investitionen in Wasserstofftechnologien wie Elektrolyseure

Dies unterstützt die künftige Industrieumstellung auf grünen Wasserstoff.

7. Elektrifizierungsprojekte

Prozesse, die bisher mit fossilen Energieträgern betrieben wurden, sollen zunehmend auf Strombasis umgestellt werden.

Diese Gegenleistungen zeigen klar: Der Industriestrompreis ist kein reines „Kostenentlastungsprogramm“, sondern ein gezielter Hebel, um Unternehmen in Richtung Dekarbonisierung und Modernisierung zu bewegen.  

Chancen und Risiken für Unternehmen

Die wichtigsten Vorteile:

-Deutliche Kosteneinsparungen:
Durch den Preisdeckel sinkt ein erheblicher Teil der Stromkosten.

-Planungssicherheit:
Unternehmen können Investitionen langfristiger und sicherer kalkulieren.

-Strategischer Schub für die Transformation:
Gegenleistungen werden zu Modernisierungsschritten, die ohnehin nötig wären.

-Standortsicherung:
Günstigere Strompreise machen Deutschland wieder attraktiver für energieintensive Industriezweige.

Herausforderungen und mögliche Nachteile:

-Hoher administrativer Aufwand:
Die Antragstellung und Dokumentation über das BAFA erfordern Zeit und Ressourcen.

-Nicht alle Industrieunternehmen profitieren:
Nur Betriebe auf der KUEBLL Liste sind antragsberechtigt.

-Investitionspflichten können kostspielig sein:
Unternehmen müssen bereit sein, ihre Infrastruktur zu modernisieren oder in neue Technologien einzusteigen.

-EUBeihilfeverordnung könnte Änderungen erzwingen:
Da das Modell noch nicht endgültig verabschiedet ist, kann es zu Anpassungen kommen.  

Fazit: Ein wichtiges Signal für die Industrie – aber mit klaren Auflagen

Der Industriestrompreis ist ein entscheidender Schritt, um energieintensive Industriezweige in Deutschland zu entlasten und im globalen Wettbewerb zu halten. Gleichzeitig zwingt das Modell Unternehmen dazu, aktiv in ihre energetische Zukunft zu investieren – ein sinnvoller Doppelansatz, der Wirtschaft und Klimazielen gleichermaßen dient.

Für berechtigte Unternehmen lohnt es sich, frühzeitig Prozesse aufzusetzen, relevante Daten zu sammeln und potenzielle Investitionsmaßnahmen zu identifizieren. Auch wenn das Programm noch nicht final verabschiedet ist, wird der Start — rückwirkend zum 01.01.2026 — angestrebt, sodass rechtzeitige Vorbereitung entscheidend sein kann.

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